„Wie viel PSI gehören in den Reifen?“ Stell die Frage in einem E-Scooter-Forum, und du bekommst drei Sorten Antworten: Einer pumpt nach Gefühl, einer nach der Zahl auf dem Reifen und einer nach einer Tabelle mit Fahrergewichten. Das sind drei verschiedene Dinge, und sie führen nicht zum selben Druck. Hier steht, was wirklich zählt – und wie du den Druck im Griff behältst, ohne dass daraus ein Projekt wird.
Welchen Reifendruck braucht ein E-Scooter?
Den Druck, den der Hersteller für dein Modell angibt – meist in der Anleitung –, innerhalb des Bereichs auf der Reifenflanke und nie über dem Maximaldruck. Eine Zahl für alle gibt es nicht, nicht einmal innerhalb einer Marke: Segway nennt 32–37 PSI (ca. 2,2–2,6 bar) für den Ninebot Max G30, aber 42–48 PSI (ca. 2,9–3,3 bar) für den Max G2.
So findest du den richtigen Druck für dein Modell
- Die Bedienungsanleitung. Schau unter Pflege, Wartung oder technische Daten. Anleitung verloren? Die meisten Hersteller stellen sie als PDF auf ihre Support-Seite – such nach dem genauen Modellnamen, denn eng verwandte Modelle können unterschiedliche Werte haben.
- Die Reifenflanke. Seitlich auf dem Reifen stehen die Größe und meist ein Druck, als Bereich oder als Maximalwert in PSI, bar oder kPa. Das sagt dir, was der Reifen aushält, nicht, was der Hersteller des E-Scooters empfiehlt. Liegt der Wert aus der Anleitung im Bereich auf der Flanke, passt alles.
- Einen anderen Reifen aufgezogen? Dann ist der Bereich des neuen Reifens die Grenze. Bleib darin und so nah am Wert aus der Anleitung wie möglich.
- Zwei verschiedene Werte in der Anleitung? Es kommt vor, dass die technischen Daten und der Wartungsplan nicht dasselbe sagen. Nimm dann den Wert aus den technischen Daten, bleib unter dem Maximaldruck auf der Reifenflanke und frag den Kundenservice, wenn du unsicher bist.
- Nichts gefunden? Schick den Modellnamen an unseren Kundenservice, dann versuchen wir, den Wert herauszufinden.
Wie weit die Werte auseinanderliegen, siehst du, wenn du drei Anleitungen nebeneinanderlegst:
| Modell | Druck laut Herstelleranleitung | Umgerechnet in bar |
|---|---|---|
| Segway Ninebot Max G30 | 32–37 PSI, vorne und hinten gleich | ca. 2,2–2,6 bar |
| Segway Ninebot Max G2 | 42–48 PSI | ca. 2,9–3,3 bar |
| NAVEE V25i Pro (erste Generation) | 45–50 PSI | ca. 3,1–3,4 bar |
Die Tabelle ist keine Liste zum Nachpumpen. Sie zeigt, warum deine eigene Anleitung jede allgemeine Tabelle schlägt: Zwei Modelle desselben Herstellers liegen ein gutes Stück auseinander. Hast du eine neuere Version eines Modells, zum Beispiel den V25i Pro II, gilt die Anleitung genau dieser Version.
Bar, PSI und kPa – so rechnest du um
Die Anleitung nennt oft PSI, das Manometer der Pumpe zeigt bar und manche Kompressoren kPa. Die Umrechnung ist einfach: 1 bar sind rund 14,5 PSI und genau 100 kPa. Teil den PSI-Wert durch 14,5, dann hast du bar.
| PSI | bar | kPa |
|---|---|---|
| 30 | 2,1 | 207 |
| 35 | 2,4 | 241 |
| 40 | 2,8 | 276 |
| 45 | 3,1 | 310 |
| 50 | 3,4 | 345 |
| 55 | 3,8 | 379 |
Die Werte in bar sind gerundet. Liegt der Wert aus der Anleitung nah am Maximaldruck auf der Reifenflanke, rundest du nicht auf.
Schwerer Fahrer, Gepäck oder Schotter – anpassen?
Ja, aber innerhalb des Herstellerbereichs. Mehr Gewicht drückt den Reifen stärker zusammen. Wiegst du viel oder fährst du mit schwerem Rucksack, nimmst du den oberen Teil des Bereichs aus der Anleitung. Tabellen, die pro zehn Kilo ein paar PSI draufschlagen, wirken genau, kennen aber dein Modell nicht – eine Tabelle, die für schwere Fahrer bis 60–65 PSI hochgeht, kann über dem Wert der Anleitung und über dem liegen, was der Reifen aushält.
Prüf auch die maximale Zuladung. Laut den Anleitungen liegt sie beim Max G30 und beim V25i Pro der ersten Generation bei 100 kg, beim Max G2 bei 120 kg. Wiegst du mit Gepäck mehr, löst das kein Reifendruck.
- Schotter und schlechter Asphalt: Der untere Teil des Bereichs bringt etwas mehr Komfort und Grip. Geh nicht tiefer – mit Schlauch steigt sonst das Risiko eines Durchschlags an Bordsteinkanten und Steinen.
- Winter: Kälte senkt den Druck von selbst (mehr dazu weiter unten), also prüf öfter, wenn es kalt wird, und bleib im Bereich, auch wenn du für mehr Grip etwas Luft ablässt. Spikes und Glätte behandeln wir im Ratgeber E-Scooter und E-Bike im Winter.
- Vorne und hinten: Nennt die Anleitung einen Wert für beide Reifen, pumpst du beide gleich. Segway schreibt für den Max G30 ausdrücklich: „Pumpen Sie beide Reifen gleichmäßig auf.“
Zu wenig oder zu viel Druck – so merkst du es
Zu wenig Druck merkst du oft zuerst an der Reichweite: Ein weicher Reifen hat mehr Rollwiderstand, der Akku ist schneller leer. Wie du mehr Kilometer aus einer Ladung holst, steht im Ratgeber E-Scooter Reichweite erhöhen. Weitere Anzeichen:
- Die Lenkung fühlt sich in Kurven träge oder wackelig an.
- Der Reifen wölbt sich stark aus, wenn du auf dem Trittbrett stehst.
- Du hast einen Platten mit zwei kleinen Löchern nebeneinander – einen Durchschlag, auch Snakebite genannt, bei dem der Schlauch gegen die Felge gequetscht wurde. Wie du den Schlauch flickst oder tauschst, zeigt der Ratgeber E-Scooter Reifen wechseln.
Zu viel Druck fühlt sich hart und hüpfig an. Der Reifen schluckt Fugen und Risse nicht mehr, und der Grip auf Nässe und Schotter wird schlechter. Er rollt zwar leicht – aber es gibt keinen Grund, für ein paar Meter mehr Reichweite über den Bereich der Anleitung zu gehen.
E-Scooter aufpumpen – Schritt für Schritt
- Miss bei kalten Reifen – vor der Fahrt, nicht direkt danach.
- Schraub die Ventilkappe ab. Die meisten E-Scooter mit Luftreifen haben ein Autoventil (Schrader-Ventil), und bei manchen Modellen sitzt es eng an der Nabe. Eine Ventilverlängerung macht das Ansetzen viel leichter – Segway legt dem Max G30 sogar eine bei.
- Setz den Pumpenkopf gerade auf das Ventil und verriegle ihn. Zischt es, sitzt er schief.
- Pump auf den Wert aus der Anleitung und lies ihn am Manometer ab. Eine Standpumpe mit Manometer lässt sich am einfachsten ablesen und dosieren.
- Nimm den Pumpenkopf zügig ab, prüf, dass das Ventil gerade aus der Felge steht, und schraub die Ventilkappe wieder auf – sie hält Schmutz und Feuchtigkeit vom Ventil fern.
- Mach dasselbe am anderen Rad.
Die meisten tragbaren Kompressoren stoppen, sobald sie den eingestellten Druck erreichen – praktisch. Viele schaffen aber weit mehr, als ein E-Scooter-Reifen verträgt, also stell den richtigen Wert ein, bevor du startest. An der Tankstelle geht es auch, aber der Kompressor füllt einen kleinen Reifen sehr schnell – füll in kurzen Stößen nach und kontrollier mit einem eigenen Manometer. Pumpe, tragbaren Kompressor und Ventiladapter findest du bei unserem E-Scooter-Werkzeug.
Wie oft solltest du den Reifendruck prüfen?
Luft entweicht auch aus einem heilen Reifen: Selbst ein dichter Fahrradschlauch verliert laut ADAC im Schnitt rund 1 bar pro Monat, und kleine E-Scooter-Reifen haben nicht viel Luft zu verschenken. Sagt die Anleitung deines Modells, dass du öfter prüfen sollst, halt dich daran – NAVEE schreibt in der Anleitung zum V25i Pro der ersten Generation zum Beispiel: „Prüfen Sie den Reifendruck vor der Fahrt.“ Ansonsten ist ein kurzer Check einmal pro Woche eine gute Gewohnheit, wenn du viel fährst, dazu vor längeren Touren und wenn das Wetter umschlägt.
Kälte senkt den Druck von selbst: Nach den Gasgesetzen verliert ein Reifen, der bei 20 °C auf 50 PSI gepumpt wurde, rund 4 PSI, wenn er bei 0 °C draußen steht. Verliert ein Reifen innerhalb weniger Tage spürbar Druck, liegt es nicht am Wetter – dann ist es wahrscheinlich ein schleichender Platten oder ein undichtes Ventil.
Tubeless-, selbstdichtende und Vollgummireifen
- Schlauchlose Luftreifen (Tubeless) müssen genauso aufgepumpt werden wie Reifen mit Schlauch – auch sie verlieren Luft, und der Wert aus der Anleitung gilt genauso.
- Selbstdichtende Reifen enthalten ein Gel, das kleine Löcher verschließt, aber es ersetzt die Luft nicht. Segway nennt 42–48 PSI für den Max G2, der selbstdichtende Tubeless-Reifen hat.
- Vollgummi- und Wabenreifen haben keine Luft und müssen nie aufgepumpt werden – dafür fahren sie sich härter. Was du gewinnst und verlierst, wenn die Pumpe wegfällt, liest du im Kaufratgeber Vollgummireifen oder Luftreifen.
Typische Fehler beim Reifendruck
- Bis zum Maximaldruck auf der Reifenflanke pumpen und denken, das sei die Empfehlung.
- Einer Tabelle oder einem Forenbeitrag folgen, der ein anderes Modell betrifft.
- Direkt nach der Fahrt messen, wenn der Reifen warm ist.
- Den Reifen zusammendrücken, statt zu messen.
- An der Tankstelle auffüllen, ohne danach nachzumessen.
- Die Ventilkappe vergessen.
- Über den Bereich der Anleitung gehen, um etwas mehr Reichweite herauszuholen.
Brauchst du einen neuen Schlauch – am besten mit gebogenem Ventil, wenn es eng ist – oder einen neuen Reifen? Such dein Modell im Ersatzteil-Finder oder schau bei unseren Reifen und Rädern für E-Scooter.





